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Hitzeschutz bei Hund, Katze und Pferd

Ein entspannter Hund trägt eine Sonnenbrille und liegt unter einem gelben Sonnenschirm am Strand.
Ein entspannter Hund trägt eine Sonnenbrille und liegt unter einem gelben Sonnenschirm am Strand.

Wenn Sommerwärme zur gesundheitlichen Gefahr wird


Sonne, lange Tage und warme Abende gehören für viele Menschen zu den schönsten Seiten des Sommers. Für unsere Tiere können hohe Temperaturen jedoch eine erhebliche körperliche Belastung darstellen.

Dabei beginnt ein Hitzeproblem nicht erst dann, wenn ein Tier zusammenbricht.

Schon lange vorher arbeitet der Organismus daran, seine Körpertemperatur innerhalb eines möglichst engen Bereichs zu halten. Steigen Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit, kommt körperliche Anstrengung hinzu oder fehlen Schatten, Luftbewegung und ausreichend Wasser, kann dieses Regulationssystem zunehmend an seine Grenzen geraten.


Besonders wichtig ist deshalb ein Gedanke:

Guter Hitzeschutz beginnt nicht beim Hitzschlag, sondern lange davor.


Tierhalter sollten wissen, wie Hund, Katze und Pferd Wärme regulieren, welche Tiere besonders gefährdet sind, welche frühen Warnzeichen auftreten können und wann aus sommerlicher Wärme ein medizinischer Notfall wird.


Warum Hitze für Tiere so belastend werden kann

Der Körper produziert permanent Wärme. Sie entsteht unter anderem durch den Stoffwechsel, Muskelarbeit, Verdauung und Bewegung. Damit die Körpertemperatur nicht kontinuierlich steigt, muss überschüssige Wärme wieder an die Umgebung abgegeben werden.


Dafür stehen verschiedene Mechanismen zur Verfügung:

  • Wärmeabgabe über die Haut,

  • Verdunstung,

  • verstärkte Durchblutung oberflächlicher Körperregionen,

  • Veränderung der Atmung,

  • Aufsuchen kühlerer Bereiche,

  • Reduktion körperlicher Aktivität.


Wie gut diese Mechanismen funktionieren, hängt allerdings nicht allein von der Außentemperatur ab.

Auch die Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung, Luftbewegung, körperliche Belastung, Fellbeschaffenheit, Gesundheitszustand, Alter, Körpergewicht, Trainingszustand und Wasserversorgung spielen eine wichtige Rolle.

Deshalb gibt es keine einzelne Außentemperatur, ab der Hitze für jedes Tier gleichermaßen gefährlich wird.

Ein gesunder, trainierter Hund im Schatten kann eine Situation völlig anders verkraften als ein übergewichtiger kurznasiger Hund.

Ein Pferd auf einer luftigen Weide mit Schatten und ständigem Wasserzugang hat andere Voraussetzungen als ein Pferd bei körperlicher Arbeit in feuchtwarmer Witterung. Und eine Katze, die sich selbstständig in einen kühlen Keller zurückziehen kann, befindet sich in einer anderen Situation als eine Katze in einer aufgeheizten Dachgeschosswohnung.


Luftfeuchtigkeit – der oft unterschätzte Faktor

Nicht nur Hitze selbst ist problematisch. Eine hohe Luftfeuchtigkeit kann die Verdunstungskühlung erschweren. Je weniger effektiv Feuchtigkeit verdunsten kann, desto schlechter kann der Körper auf diesem Weg Wärme abgeben. Deshalb können schwüle Tage für Tiere besonders belastend sein. Ein Thermometer allein erzählt also nie die ganze Geschichte.


Hitzeregulation beim Hund

Hunde regulieren ihre Körpertemperatur anders als Menschen.

Während wir große Mengen Schweiß über die Haut abgeben können, spielt Schwitzen beim Hund nur eine sehr begrenzte Rolle. Schweißdrüsen befinden sich unter anderem im Bereich der Pfoten, reichen aber keineswegs aus, um den gesamten Körper bei Hitze wirkungsvoll zu kühlen. Der wichtigste Mechanismus ist deshalb das Hecheln.

Beim Hecheln wird die Verdunstung von Flüssigkeit über die Atemwege und Schleimhäute verstärkt. Dadurch kann Wärme abgegeben werden.

Hecheln ist zunächst also eine normale physiologische Reaktion.

Problematisch wird es, wenn die Wärmeproduktion und Wärmeaufnahme größer werden als die mögliche Wärmeabgabe.

Dann kann aus normalem Hecheln zunehmend eine erhebliche Atemarbeit werden.


Welche Hunde sind besonders gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko besteht insbesondere bei:

  • brachyzephalen, also kurznasigen Hunden,

  • übergewichtigen Hunden,

  • Senioren,

  • Welpen und sehr jungen Tieren,

  • Hunden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

  • Hunden mit Atemwegs- oder Lungenerkrankungen,

  • Tieren mit eingeschränkter Mobilität,

  • sehr dichtem oder stark isolierendem Fell,

  • untrainierten Hunden bei körperlicher Belastung,

  • Tieren, die hohe Temperaturen nicht gewohnt sind.


Besondere Aufmerksamkeit verdienen brachyzephale Rassen wie beispielsweise Französische Bulldoggen, Möpse oder andere Hunde mit deutlich verkürztem Gesichtsschädel.

Ihre Atemwege können anatomisch bereits eingeschränkt sein. Gerade der Mechanismus, den der Hund zur Kühlung besonders benötigt – die Atmung – kann bei diesen Tieren weniger effizient funktionieren.

Starkes Hecheln sollte bei einem solchen Hund deshalb niemals automatisch als „für die Rasse normal“ abgetan werden.


Bewegung im Sommer -

nicht nur die Mittagshitze zählt

Ein häufiger Fehler besteht darin, lediglich die heißeste Mittagszeit zu vermeiden.

Das ist sinnvoll, reicht aber nicht immer aus. Asphalt, Pflastersteine, Hauswände und andere Oberflächen speichern Wärme und geben sie über Stunden wieder ab. Auch am Abend kann die Umgebung deshalb noch stark aufgeheizt sein.

Spaziergänge sollten an heißen Tagen möglichst in die kühleren Morgenstunden oder auf deutlich kühlere Abendstunden verlegt werden.

Dabei gilt:

Der Trainingsplan muss sich dem Wetter anpassen – nicht das Tier dem Trainingsplan.

Joggen, Fahrradfahren, intensives Ballwerfen, Hundesport oder lange Wanderungen können bei hohen Temperaturen schnell problematisch werden.

Besonders tückisch sind hochmotivierte Hunde. Nicht jeder Hund beendet eine Aktivität rechtzeitig selbst. Arbeitsfreude, Spieltrieb oder Aufregung können dazu führen, dass ein Hund körperliche Warnsignale übergeht. Der Mensch trägt deshalb die Verantwortung, Belastung frühzeitig zu reduzieren.


Heiße Böden und die Gefahr für Hundepfoten

Asphalt kann sich bei Sonneneinstrahlung erheblich stärker erwärmen als die Umgebungsluft.

Dadurch besteht nicht nur die Gefahr einer Überhitzung des gesamten Organismus, sondern auch die Gefahr thermischer Verletzungen an den Pfotenballen.

Hilfreich ist ein einfacher Praxistest:

Kann die eigene Hand nicht einige Sekunden angenehm auf dem Untergrund liegen bleiben, sollte auch der Hund dort nicht längere Zeit laufen müssen.

Besser geeignet sind:

  • Waldwege,

  • schattige Wege,

  • Grasflächen,

  • natürliche Böden.


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Der Hund im Auto -

wenige Minuten können entscheidend sein

Ein abgestelltes Fahrzeug kann sich bei Sonneneinstrahlung sehr schnell aufheizen.

Ein geöffnetes Fenster reicht nicht aus, um ein sicheres Klima zu gewährleisten.

Auch ein Parkplatz, der beim Abstellen des Fahrzeugs noch im Schatten liegt, kann kurze Zeit später in der Sonne liegen.

Deshalb gilt:

Ein Tier sollte bei warmem Wetter niemals in einem abgestellten Fahrzeug zurückgelassen werden.

Das gilt nicht nur bei hochsommerlichen Extremtemperaturen.

Auch vermeintlich milde Außentemperaturen können in Verbindung mit Sonneneinstrahlung problematisch werden.


Hitzeregulation bei der Katze

Katzen wirken im Sommer häufig erstaunlich entspannt.

Sie liegen ausgestreckt auf Fliesen, suchen Schattenplätze auf und reduzieren ihre Aktivität. Genau dieses Verhalten gehört zu ihrer natürlichen Wärmeregulation.

Katzen versuchen unter anderem durch:

  • Aktivitätsreduktion,

  • Aufsuchen kühler Flächen,

  • Wechsel in schattige Bereiche,

  • Veränderung ihrer Körperhaltung

eine zusätzliche Wärmeproduktion zu vermeiden.

Starkes Hecheln ist bei Katzen dagegen deutlich ungewöhnlicher als bei Hunden.

Eine hechelnde Katze sollte ernst genommen werden.

Hecheln kann beispielsweise bei erheblicher Hitze, starkem Stress oder intensiver körperlicher Belastung auftreten, kann jedoch ebenso mit Erkrankungen verbunden sein.

Tritt es ausgeprägt, ohne nachvollziehbaren Anlass oder zusammen mit Schwäche, auffälliger Atmung oder anderen Symptomen auf, sollte das Tier tierärztlich untersucht werden.



Wohnungskatzen und Hitze

Auch reine Wohnungskatzen können erheblich unter hohen Temperaturen leiden.

Besonders problematisch können sein:

  • Dachgeschosswohnungen,

  • große Fensterflächen,

  • Wintergärten,

  • schlecht belüftete Räume,

  • Räume ohne Rückzugsmöglichkeit,

  • direkte Sonneneinstrahlung.

Katzen sollten jederzeit die Möglichkeit haben, unterschiedliche Temperaturbereiche aufzusuchen.

Kühle Fliesen in Bad oder Küche werden häufig gerne genutzt.

Rollläden oder Vorhänge können helfen, Räume bereits vor starker Sonneneinstrahlung abzudunkeln.

Das ist meist effektiver, als eine vollständig aufgeheizte Wohnung anschließend wieder herunterzukühlen.

Ventilatoren können die Luftbewegung verbessern. Dabei sollte die Katze jedoch selbst entscheiden können, ob sie sich im Luftstrom aufhalten möchte.


Katzen zum Trinken motivieren

Viele Katzen nehmen von Natur aus vergleichsweise wenig Flüssigkeit über direktes Trinken auf.

Bei hohen Temperaturen sollte deshalb besonders auf die Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden.

Sinnvoll können sein:

  • mehrere Wasserschalen an unterschiedlichen Orten,

  • breite Trinkgefäße,

  • täglich frisches Wasser,

  • Trinkbrunnen bei Katzen, die bewegtes Wasser bevorzugen,

  • ausreichender Abstand zwischen Wasser und Katzentoilette,

  • Nassfutter als zusätzliche Flüssigkeitsquelle.

Welche Strategie funktioniert, ist individuell.

Manche Katzen bevorzugen Glas, andere Keramik oder Metall. Manche trinken lieber aus sehr großen Gefäßen, andere bevorzugen fließendes Wasser.

Statt eine Katze zum Trinken zu zwingen, lohnt es sich deshalb, verschiedene attraktive Wasserangebote zu schaffen.


Pferde und Hitze -

eine besondere Herausforderung

Pferde verfügen im Gegensatz zu Hunden über eine ausgeprägte Fähigkeit zu schwitzen.

Das ist für ihre Thermoregulation von großer Bedeutung.

Bei körperlicher Arbeit kann allerdings sehr viel Flüssigkeit verloren gehen.

Mit dem Schweiß verliert das Pferd nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte.

Deshalb müssen bei Pferden insbesondere folgende Faktoren gemeinsam betrachtet werden:

Temperatur + Luftfeuchtigkeit + Trainingsintensität + Trainingsdauer + Luftbewegung + Wasseraufnahme + Akklimatisation.

Ein Pferd kann auch dann thermisch stark belastet sein, wenn die Außentemperatur allein noch nicht außergewöhnlich hoch erscheint.


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Training mit Pferden an heißen Tagen

Intensive Arbeit sollte möglichst in die kühleren Tageszeiten verlegt werden.

An sehr heißen oder schwülen Tagen kann es sinnvoll sein, das Training deutlich zu reduzieren oder vollständig ausfallen zu lassen.

Nach körperlicher Belastung sollte ausreichend Zeit zum Abkühlen eingeplant werden.

Das Pferd sollte Zugang zu Wasser erhalten und beobachtet werden.

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn:

  • die Atmung ungewöhnlich lange beschleunigt bleibt,

  • das Pferd auffällig erschöpft wirkt,

  • die Körpertemperatur nicht angemessen zurückgeht,

  • Koordinationsprobleme auftreten,

  • das Pferd apathisch oder ungewöhnlich unruhig wird.


Weide, Paddock und Offenstall

Schatten ist bei hohen Temperaturen kein Luxus.

Pferde müssen die Möglichkeit haben, direkte Sonneneinstrahlung zu verlassen.

Geeignet können beispielsweise sein:

  • ausreichend große Unterstände,

  • natürliche Baumgruppen,

  • gut belüftete Stallbereiche,

  • andere dauerhaft verfügbare Schattenbereiche.

Dabei ist zu beachten, dass sich der Sonnenstand verändert.

Ein Platz, der morgens im Schatten liegt, kann mittags vollständig der Sonne ausgesetzt sein.

Auch die Luftzirkulation ist wichtig.

Ein geschlossener Unterstand, in dem sich Hitze staut, kann trotz Schatten unangenehm werden.

Die American Association of Equine Practitioners zählt den Schutz von Pferden vor schädigender Hitze und extremen Wetterbedingungen ausdrücklich zu den grundlegenden Aspekten des Pferdewohls.


Wasser -

die Grundlage des Hitzeschutzes

Frisches Trinkwasser muss für Hund, Katze und Pferd jederzeit erreichbar sein.

An heißen Tagen steigt der Flüssigkeitsbedarf.

Bei Pferden kann dieser durch starkes Schwitzen besonders deutlich zunehmen.

Wasserbehälter sollten deshalb regelmäßig kontrolliert werden.

Das betrifft nicht nur die Füllmenge.

Auch:

  • Sauberkeit,

  • Funktionsfähigkeit von Selbsttränken,

  • Wassertemperatur,

  • Erreichbarkeit,

  • Konkurrenz zwischen mehreren Tieren

müssen berücksichtigt werden.

Bei mehreren Pferden sollte beobachtet werden, ob rangniedrige Tiere tatsächlich ungestört trinken können.


Elektrolyte -

sinnvoll, aber nicht automatisch notwendig

Elektrolyte werden im Sommer häufig pauschal empfohlen.

Eine pauschale Supplementierung für jedes Tier ist jedoch nicht sinnvoll.

Insbesondere bei Pferden mit deutlichen Schweißverlusten können Elektrolyte relevant werden. Art und Menge sollten sich aber nach Belastung, Fütterung, Schweißverlust und Gesundheitszustand richten.

Bei Hunden und Katzen sollte eine Elektrolytsupplementierung nicht einfach aufgrund warmer Außentemperaturen erfolgen.

Mehr ist bei Mineralstoffen und Elektrolyten nicht automatisch besser.

Bei gesundheitlich vorbelasteten Tieren sollte eine Ergänzung mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden.


Ernährung an heißen Tagen

Viele Tiere zeigen bei hohen Temperaturen weniger Appetit.

Das muss nicht unmittelbar krankhaft sein.

Der Organismus reduziert Aktivität, und Tiere verändern teilweise ihr Fressverhalten.

Dennoch sollte eine deutliche oder länger anhaltende Futterverweigerung nicht einfach der Hitze zugeschrieben werden. Das gilt insbesondere für Katzen.

Eine länger andauernde unzureichende Nahrungsaufnahme kann bei Katzen medizinisch problematisch werden und sollte frühzeitig abgeklärt werden.


Nassfutter und Flüssigkeitsversorgung

Nassfutter kann insbesondere bei Hund und Katze einen Beitrag zur Flüssigkeitsaufnahme leisten.

Auch individuell zusammengestellte Rationen können einen hohen Feuchtigkeitsgehalt besitzen.

Entscheidend bleibt jedoch:

Eine feuchte Fütterung ersetzt keinen freien Zugang zu Trinkwasser.

Bei Hitze ist außerdem die Futterhygiene besonders wichtig.

Feuchte Futtermittel und Frischfleisch können bei hohen Umgebungstemperaturen schneller verderben. Futterreste sollten deshalb nicht über längere Zeit stehen bleiben.


Kühlmatten, nasse Handtücher und andere Kühlhilfen

Kühlprodukte können sinnvoll sein – wenn das Tier sie freiwillig nutzt.

Eine Kühlmatte sollte beispielsweise als zusätzliches Angebot verstanden werden und nicht als Fläche, auf der ein Tier bleiben muss.

Auch ein nasses Handtuch ist nicht automatisch die optimale Kühlmethode.

Wird ein Tier vollständig in dicke, nasse Tücher eingewickelt, kann dadurch die Wärmeabgabe ungünstig beeinflusst werden.

Besser ist es, dem Tier kontrollierte Kühlung und gleichzeitig Luftbewegung zu ermöglichen.


Scheren im Sommer -

nicht bei jedem Tier sinnvoll

Der Gedanke klingt zunächst logisch:

„Viel Fell = viel Wärme, also muss das Fell ab.“

So einfach ist es jedoch nicht. Das Fell besitzt auch Schutzfunktionen und kann die Haut unter anderem vor direkter Sonneneinstrahlung schützen.

Ob Scheren sinnvoll ist, hängt stark von:

  • Tierart,

  • Rasse,

  • Felltyp,

  • Unterwolle,

  • Hautzustand,

  • Erkrankungen

ab.

Regelmäßige, zum Felltyp passende Pflege kann dagegen helfen, lose Unterwolle zu entfernen und die Fellstruktur funktionell zu erhalten. Bei Unsicherheit sollte individuell entschieden werden, anstatt jedes Tier im Sommer pauschal kurz zu scheren.


Vorsicht vor Sonnenbrand

Auch Tiere können Sonnenbrand entwickeln.

Gefährdet sind insbesondere wenig pigmentierte und wenig behaarte Hautbereiche.

Bei Pferden betrifft dies beispielsweise unpigmentierte Bereiche im Gesicht.

Auch Hunde und Katzen mit sehr hellem oder dünnem Fell können empfindliche Hautpartien besitzen. Schatten und die Vermeidung intensiver Mittagssonne sind deshalb wichtige Schutzmaßnahmen.

Nicht jede für Menschen bestimmte Sonnencreme ist automatisch für Tiere geeignet. Produkte können Inhaltsstoffe enthalten, die bei Ablecken problematisch sind.


Transport bei hohen Temperaturen

Nicht nur das stehende Auto ist ein Risiko. Auch während einer Fahrt kann Hitze problematisch werden. Das gilt insbesondere für Pferdetransporte.

Im Anhänger oder Transporter können:

  • geringe Luftbewegung,

  • hohe Außentemperaturen,

  • Sonneneinstrahlung,

  • körperlicher Stress,

  • eingeschränkte Wasseraufnahme

zusammenkommen.

Fahrten sollten deshalb möglichst in kühlere Tageszeiten gelegt und unnötige Standzeiten vermieden werden.

Bei längeren Transporten müssen Wasseraufnahme, Belüftung und Pausen berücksichtigt werden.


Wenn Wärme zum Hitzestress wird

Die Übergänge können fließend sein.

Frühe Warnzeichen sollten deshalb ernst genommen werden.


Beim Hund können auffallen:

  • starkes oder zunehmendes Hecheln,

  • Unruhe,

  • starkes Speicheln,

  • Suche nach Wasser oder Schatten,

  • gerötete Schleimhäute,

  • zunehmende Erschöpfung,

  • Erbrechen oder Durchfall,

  • Schwäche,

  • Koordinationsstörungen.


Bei Katzen können auffallen:

  • ungewöhnliche Unruhe,

  • Rückzug,

  • Schwäche,

  • vermehrtes Speicheln,

  • Hecheln oder auffällige Atmung,

  • Erbrechen,

  • Teilnahmslosigkeit.


Beim Pferd können auffallen:

  • starkes Schwitzen,

  • ausgeprägte oder anhaltend erhöhte Atemfrequenz,

  • Leistungseinbruch,

  • Erschöpfung,

  • ungewöhnliches Verhalten,

  • Koordinationsstörungen,

  • auffällig lange Erholungszeiten nach Belastung.

Ein einzelnes Symptom beweist noch keinen Hitzschlag.

Mehrere dieser Veränderungen in Verbindung mit Hitze oder körperlicher Belastung sollten jedoch ernst genommen werden.


Der Hitzschlag -

ein tiermedizinischer Notfall

Ein Hitzschlag ist weit mehr als „dem Tier ist sehr warm“.

Bei schwerer Überhitzung können Prozesse entstehen, die den gesamten Organismus betreffen.

Mögliche Folgen sind unter anderem:

  • Kreislaufversagen,

  • neurologische Störungen,

  • Schädigungen des Magen-Darm-Traktes,

  • Gerinnungsstörungen,

  • Nieren- und Leberschädigungen,

  • Multiorganversagen.

Ein Tier kann deshalb zunächst scheinbar stabiler wirken und trotzdem innere Schäden entwickelt haben.

Aus diesem Grund sollte ein Tier nach einem ernsthaften Überhitzungsereignis tierärztlich beurteilt werden.


Erste Hilfe bei Verdacht auf Überhitzung

Bei einem Verdacht auf Hitzschlag zählt Zeit.

Das Tier sollte aus der heißen Umgebung gebracht und die Kühlung begonnen werden.


Bei Hund und Katze werden als wichtige Maßnahmen empfohlen:

  • Tier in einen kühleren, gut belüfteten Bereich bringen,

  • Kühlung beginnen,

  • Luftbewegung beispielsweise durch einen Ventilator nutzen,

  • kleine Mengen Wasser anbieten, sofern das Tier selbstständig trinken kann,

  • Wasser zur äußeren Kühlung verwenden, Füße und Bauch (niemals über das ganze Tier schütten)

  • gleichzeitig möglichst früh tierärztlichen Kontakt aufnehmen.


Bei Hunden wird heute besonders der Grundsatz „cool first, transport second“ – zuerst kühlen, dann transportieren  hervorgehoben. Das bedeutet nicht, den Tierarztbesuch aufzuschieben. Vielmehr soll wertvolle Zeit genutzt werden, indem bereits vor beziehungsweise während der Organisation des Transports mit einer wirksamen Kühlung begonnen wird.

Sehr kaltes beziehungsweise eisiges Wasser ist nicht für jede Situation die beste Wahl. Insbesondere bei älteren oder gesundheitlich vorbelasteten Hunden wird eine Kühlung mit Wasser in Kombination mit Luftbewegung empfohlen.


Wichtig:

Ein bewusstseinsgetrübtes Tier darf nicht zum Trinken gezwungen werden.

Auch Wasser sollte nicht gewaltsam ins Maul gegeben werden.

Und selbst wenn sich das Tier nach der ersten Kühlung scheinbar erholt:

Nach einem ernsthaften Verdacht auf Hitzschlag sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.


Was bei einem Hitzschlag nicht getan werden sollte

Problematisch sind insbesondere:

  • Abwarten, ob es „von alleine besser wird“,

  • das Tier zum Trinken zwingen,

  • einen stark überhitzten Hund zunächst ungekühlt über längere Strecke zur Praxis fahren,

  • das Tier komplett in dicke nasse Decken einwickeln,

  • Medikamente ohne tierärztliche Anweisung verabreichen,

  • einen Kreislaufkollaps ausschließlich naturheilkundlich behandeln.

Bei deutlicher Überhitzung, Bewusstseinsstörungen, Kollaps, Krampfanfällen oder neurologischen Symptomen handelt es sich um einen Notfall.


Naturheilkundliche Begleitung -

wo ihre Grenzen liegen

Gerade in einer ganzheitlich arbeitenden Tierheilpraxis gehört es zur Professionalität, nicht nur Möglichkeiten, sondern auch Grenzen klar zu benennen.

Phytotherapie, TCVM, Akupunktur, Fütterungsberatung und andere komplementäre Verfahren können in unterschiedlichen gesundheitlichen Situationen wertvolle Bausteine sein.

Ein akuter Hitzschlag gehört jedoch primär in tierärztliche Behandlung.

Hier geht es möglicherweise um Kreislaufstabilisierung, Infusionstherapie, Überwachung von Organfunktionen und Gerinnung sowie die Behandlung akuter Komplikationen.

Komplementäre Verfahren können, wenn überhaupt, anschließend individuell im Rahmen der Rekonvaleszenz betrachtet werden.


Hitze aus Sicht der TCVM

Auch aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Veterinärmedizin lässt sich die Belastung durch sommerliche Hitze differenziert betrachten.

Sommerhitze kann den Organismus belasten und – abhängig von Konstitution, bestehenden Mustern und weiteren Faktoren – mit Flüssigkeits- und Yin-Verlusten verbunden sein.

In der TCVM wird deshalb nicht allein gefragt:

„Welches Lebensmittel kühlt?“

Entscheidender ist:

„Was braucht dieses individuelle Tier?“

Ein älteres Tier mit Schwäche benötigt möglicherweise eine andere diätetische Strategie als ein kräftiges Tier mit deutlichen Hitzezeichen.

Auch hier gilt deshalb:

Keine pauschale „Sommerdiät“ für jedes Tier.

TCVM-Diätetik sollte sich an Konstitution, aktuellem Muster, Verdauung, Lebensphase und Erkrankungen orientieren.

Und ganz wichtig:

TCVM-Maßnahmen ersetzen niemals die notwendige Notfallversorgung bei einem Hitzschlag.


Zehn Grundregeln für heiße Tage

  1. Wasser muss jederzeit verfügbar sein.

  2. Schatten muss tatsächlich erreichbar sein – über den gesamten relevanten Tagesverlauf.

  3. Körperliche Belastung gehört in die kühleren Tageszeiten.

  4. Kein Tier bleibt bei Wärme im abgestellten Auto.

  5. Heiße Asphalt- und Pflasterflächen werden vermieden.

  6. Risikotiere benötigen einen individuell strengeren Hitzeschutz.

  7. Bei Pferden müssen Schweiß- und Flüssigkeitsverluste berücksichtigt werden.

  8. Katzen benötigen auch in der Wohnung kühle Rückzugsmöglichkeiten und attraktive Wasserangebote.

  9. Frühe Warnzeichen werden ernst genommen – nicht erst der Zusammenbruch.

  10. Bei Verdacht auf Hitzschlag: Kühlung beginnen und unverzüglich tierärztliche Hilfe organisieren.


Hitzeschutz beginnt mit Beobachtung

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Beitrags:

Es gibt nicht den einen Temperaturwert, ab dem für jedes Tier Gefahr besteht.

Ein verantwortungsvoller Hitzeschutz berücksichtigt immer das individuelle Tier.

Wie alt ist es?

Wie ist sein Ernährungszustand?

Welche Erkrankungen bestehen?

Wie gut kann es Wärme abgeben?

Wie hoch ist die Luftfeuchtigkeit?

Bewegt es sich gerade?

Kann es selbstständig Schatten aufsuchen?

Trinkt es ausreichend?

Wie schnell erholt es sich nach Belastung?

Wer sein Tier aufmerksam beobachtet, erkennt Veränderungen häufig lange bevor eine Situation eskaliert.


Der Sommer darf schön sein - auch für unsere Tiere

Hitzeschutz bedeutet nicht, Tiere im Sommer vollständig von Bewegung, Weidegang oder gemeinsamen Aktivitäten fernzuhalten.

Es bedeutet, Bedingungen anzupassen.

Der Spaziergang findet früher statt.

Das Pferd wird morgens statt am heißen Nachmittag gearbeitet.

Die Katze bekommt mehrere kühle Rückzugsorte.

Wasser wird nicht nur einmal täglich kontrolliert.


Und an manchen Tagen bedeutet verantwortungsvolle Tierhaltung eben auch:

Heute machen wir weniger.

Das ist keine übertriebene Vorsicht.

Es ist die Fähigkeit, die Bedürfnisse des Tieres über unseren eigenen Tagesplan zu stellen.

Denn Hund, Katze und Pferd können uns nicht sagen:

„Mir wird gerade zu heiß.“

Aber sie zeigen es uns. Wir müssen lernen, diese Zeichen rechtzeitig zu erkennen.


Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder Notfallbehandlung. Bei deutlicher Überhitzung, Kollaps, Bewusstseinsveränderungen, Krampfanfällen, ausgeprägten Atemproblemen oder dem Verdacht auf einen Hitzschlag sollte unverzüglich tierärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

 
 
 

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Saskia Hesseldenz-Moog 

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